Größte Internetnation der Welt trotz Zensur China hat trotz starker Zensur die meisten Internetnutzer der Welt (Foto: pixelio.de) Peking (pte/17.03.2008/11:56) - China, die Nation mit den meisten Internetnutzern der Welt, erlebt zur Zeit einen wahren E-Commerce-Boom. Einem aktuellen Bericht des China Internet Research Centre in Peking zufolge gingen im vergangenen Jahr rund 55 Mio. Chinesen im Internet auf Shoppingtour. Insgesamt konnte so im Bereich des Online-Handels ein Gesamtumsatz von 59,4 Mrd. Yuan (8,25 Mrd. Dollar) erwirtschaftet werden. Im Vergleich: 2006 waren es noch 43 Mio. Online-Shopper, die Waren in einem Gesamtwert von 4,3 Mrd. Dollar handelten. Noch deutlicher wird das enorme Wachstum am E-Commerce-Sektor, wenn man die entsprechenden Zahlen aus dem Jahr 2000 zum Vergleich heranzieht. Damals konnten Internethändler in China 62 Mio. Dollar umsetzen. Bis zum Jahr 2011 soll dieser Betrag laut Schätzungen des Research Centres auf 406 Mrd. Yuan (57 Mrd. Dollar) anwachsen. Erst vergangene Woche hatte das chinesische Marktforschungsinstitut BDA China http://www.bdachina.com einen Bericht veröffentlicht, demzufolge die Zahl der Internetnutzer in China derzeit bei 220 Mio. liegt. Mit einer derart großen Userzahl nimmt man derzeit unangefochten die Spitzenposition in der Rangliste der Internetnationen der Welt ein. Noch im Januar war man auf Platz zwei hinter den USA gelegen (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=080115028 ). Aufgrund der Tatsache, dass China das bevölkerungsreichste Land der Erde ist, mag dies zunächst nicht verwundern. In Anbetracht der extrem strengen Zensur- und Kontrollmaßnahmen, die Chinas Regierung im Internet ausübt, ist diese Entwicklung aber dennoch überraschend. "Strikte Informationskontrolle ist ein wesentlicher Teil der Strategie der chinesischen Regierung", erklärt Clothilde Le Coz, Asien-Expertin von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) http://www.rsf.org , auf Anfrage von pressetext. Das Internet stelle in dieser Hinsicht eine Gefahrenquelle für die Staatsführung dar, da es dem Nutzer ein breit gefächertes Informationsangebot biete. "Die Behörden durchsuchen daher das Netz nach bestimmten Schlüsselwörtern und schließen solche Seiten, auf denen sich ungeduldete Inhalte befinden, vom öffentlichen Webzugang aus", schildert Le Coz. Dies betreffe insbesondere Themen, die sich mit Regierungskritik und oppositionellem Gedankengut beschäftigen. "Dazu gehört auch ein gewisses Maß an Selbstzensur. Ein Nutzer, der sich in einem chinesischen Internetcafe ins Netz einloggt, erhält beispielsweise alle 30 Minuten eine Einblendung, die ihn darauf aufmerksam macht, dass er überwacht wird", erläutert Le Coz. Dies sei eine sehr effektive Methode der Einschüchterung. Das strikte Vorgehen der chinesischen Regierung in Punkto Internetzensur werde laut Le Coz sehr gut am aktuellen Beispiel der Unruhen in Tibet deutlich. So habe China bereits am Samstag den Zugang zum Videoportal YouTube blockieren lassen. "Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Videos des Geschehens in Tibet nach außen dringen", meint Le Coz. Übergeordnetes Ziel der chinesischen Führung sei es, eine objektive Berichterstattung zu verhindern. "Journalisten, die in diese autonome Region Chinas einreisen wollen, dürfen dies nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung", so Le Coz abschließend.
Quelle: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=080317017